2. Bürgerdialog setzt Projekt erfolgreich fort

17. Februar 2016 Allgemein

„Jülich wird in der Zukunft noch schöner und liebenswerter sein als heute!“

„Jülich ist schon ein toller Ort – hier lässt sich was entwickeln“, so das Fazit von Rusbew Nawab vom Science College Haus Overbach nach einem mehrstündigen Workshop zum „2. Bürgerdialog Jülich 2030+“. Gemeinsam mit rund 130 anderen Teilnehmern hatte er zuvor in Arbeitsgruppen über wichtige Themen diskutiert, die den Jülicher Bürgern am Herzen liegen, wenn sie an die Zukunft ihrer Kommune denken.

Zu diesem Bürgerdialog haben die Stadt Jülich und das Forschungszentrum gemeinsam eingeladen. Das Forschungszentrum Jülich fungierte nicht nur als bestens organisierter professioneller Gastgeber, sondern ist von Anfang an ein aktiv in den Wettbewerbsprozess eingebundenes wichtiges Mitglied im Kompetenz-Team der „Zukunftsstadt Jülich“.

Dr. Peter Burauel als Leiter der Stabsstelle ZukunftsCampus des Forschungszentrums freute sich, in Hörsaal und umliegenden Räumlichkeiten der Zentralbibliothek so viele Bürger begrüßen zu dürfen. Diese setzten die kreative Arbeit an Ideen und Visionen innerhalb des Projektes „Jülich2030+ – Bürger. Schaffen. Zukunft.“ weiter fort, die mit Bürgerbefragung und einem erstem Workshop im November begann. „Im Rahmen von partizipativen Prozessen nachhaltiger gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse nutzen wir in der Stabsstelle gerne den Begriff IDA, der für Information, Dialog und Aktion steht. Informationen begleitet von Dialogen hat es schon reichlich gegeben, jetzt fehlen noch Aktion und darauf bin ich sehr gespannt“, so Dr. Burauel.

 

Die Teilnehmer des 2. Bürgerdialogs arbeiteten an der Entwicklung konkreter Ideen zu den Themen Infrastruktur, Soziale Teilhabe, Verkehr und Mobilität, Quartier und Quartiersentwicklung sowie Soziales und Bildung. Unterstützung erhielten sie dabei von Experten, die zu den jeweiligen Themen mit Impulsvorträgen den Einstieg in das Thema erleichterten.

Dezernentin Katarina Esser zeigte sich erfreut über den bisherigen Verlauf des Projektes und gab vor dem Start der Diskussionsrunden einen Überblick über den in Befragung und Workshop geäußerten Bürgerwillen für ein Jülich im Jahr 2030: „Jülich ist inklusiv. Wer hier lebt, wird nicht allein gelassen. Jülich bietet Orte der Begegnung und des Engagements, hat eine lebendige Innenstadt, einen attraktiven Einzelhandel und Gastronomie. Gesundheitsdienstleistungen und Nahversorgung sind gut erreichbar, der Handel ist offline und online verbunden; die Nahverkehrsangebote sind optimiert, es gibt eine vernetzte Mobilitätsplattform, eine ausgebaute Infrastruktur für den Radverkehr sowie innovative und alternative Mobilitätsangebote vom Car-Sharing bis zu emissionsarmen Fahrzeugen. Jülich bietet Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen. Angebote von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft sind über Dialog und digitale Plattformen vernetzt und bieten Zugang für alle Generationen und Bevölkerungsgruppen. Und Jülich ist eine grüne Stadt, in die die Lebensader Rur eingebunden ist, in der sich Bürger engagieren und neue Wohnformen und städtebauliche Konzepte für die Entwicklung ihrer Stadt nutzen“.

Mit diesem Ausblick konnte anschließend in den Arbeitsgruppen der Weg zum Ziel diskutiert werden. In der Quartier-Gruppe wurden potentielle attraktive Wohnraumflächen sowie der Bedarf an preiswertem Mietwohnraum und Mehrgenerationen-Wohnen ermittelt. Die Rur mit einer Freitreppe oder einem Cafe in das Stadtbild einzubinden, Bürgerpatenschaften zur Müllbefreiung von Straßenzügen, eine attraktivere Bepflanzung des Schlossplatzes waren dabei nur einige konkret umsetzbare und greifbare Maßnahmen. Im Bereich Soziales und Bildung sollen „Dialogorte“ eine lernende Stadt unterstützen – von der Stadtbücherei über das Science College bis zu Crossover-Projekten, die Kultur und Wissenschaft kombinieren. Der bevorstehende Weltkindertag soll genutzt werden, bestehende und neue Angebote für Familien in der Stadt zu kommunizieren.

Im infrastrukturellen Bereich gilt es, die Verweildauer der Bürger und Gäste in der Stadt zu erhöhen, die Verbindung von Essen und Einkaufen zu schaffen, die Zitadelle als Ort für Veranstaltungen intensiver zu nutzen sowie den Marktplatz auch außerhalb der Wochenmarktzeiten als Treffpunkt zu stärken. Beim Thema Verkehr und Mobilität muss auf demografischen Wandel sowie das Pendlerverhalten in der Region reagiert sowie die Nutzung verschiedener Mobilitätsangebote ermöglicht werden. E-Bikes, Ladestationen und Stellplätze als bereits realisierte und im Ausbau befindliche gemeinsame Projekte waren dabei ebenso Diskussionsgrundlage wie die Bedingungen, die der Jülicher Bürger braucht, um sein Mobilitätsverhalten zu ändern: ein lückenloses, sicheres Radwegenetz sowie die Möglichkeit, Verkehrsmittel in der Stadt und Region besser kombinieren zu können – beispielsweise durch Verkehrsverbünde oder eine Mobility-App. Bestehende Entwicklungen sollten bekannt gemacht und gefördert werden am Beispiel des bestehenden Bürgerbusses. Seitens des Forschungszentrums besteht das konkrete Angebot sich bezüglich eines Pendlerportals, welches momentan für die Belegschaft über eine eigene Domäne genutzt wird, zu vernetzen und die Ergebnisse und Werkzeuge des gerade erfolgreich beendeten Projekts Mobil.Pro.Fit. zu teilen, um Synergien für die Region nutzen zu können.

Und schließlich wurden in der Gruppe, die sich mit Sozialer Teilhabe und Diversity beschäftigte, Ideen gesammelt, Jülich nicht nur als internationale Stadt mit Menschen aus rund 120 Nationen bekannt zu machen, sondern zu erkennen, welches Potential gegenseitigen Lernens Multikulturalität bietet. Es gilt die umfassende Teilhabe von Menschen unterschiedlicher Nationalität, Religion, Hautfarbe, Alter und Geschlecht konkret zu fördern, sei es durch „Barriere-Detektive“, öffentliche und vernetzte Plattformen zu schaffen und zugänglich zu machen, Begegnungsstätten oder triviale Möglichkeiten wie Musik oder Sport zu nutzen, um zueinander zu kommen.“

Prof. Dr. Liane Schirra-Weirich von der Katholischen Hochschule NRW, welche die wissenschaftliche Begleitung des Projektes übernimmt, zeigte sich beeindruckt von den Ergebnissen des Workshops. „Es bleibt weiter ein spannendes Projekt. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung verdichten sich und es zeigt sich, dass es Querschnittsfragen gibt, die sich durch alle fünf Themengruppen gezogen haben. Was ich hier heute gesehen und gehört habe, macht ein innovatives Konzept der Stadt Jülich entwickelbar. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, greifbare Ideen dazustellen, mit denen sich die Stadt Jülich sicher erfolgreich für die nächste Wettbewerbsstufe bewerben kann.“

Auch Bürgermeister Axel Fuchs sprach von einer „beachtlichen Resonanz“, die er im Verlauf des Workshops erfahren durfte. „Ich danke den Teilnehmern für die Vorstellung und Entwicklung von Ideen und Visionen und dem nun daraus resultierenden Entwurf konkreter Maßnahmen, bei deren Umsetzung ich uns allen viel Erfolg wünsche. Jülich im Jahr 2030 wird noch schöner und liebenswerter sein als heute!“.