Herzogstadt als attraktiver Lebensort

23. Juli 2015 Allgemein

„Wir leben gern in Jülich – auch in Zukunft“

Potential entdeckt und mit gestaltet – Gelungene Integration schafft Zukunftsperspektiven – Eine Familie blickt zurück und nach vorn.

Als Leila und Adnan Nehme im Jahr 1990 mit ihren beiden Kindern Nadine (9) und Wissam (5) vor dem Bürgerkrieg aus dem Libanon nach Deutschland flohen, landeten sie in Jülich. Schon damals eilte der Herzogstadt an der Rur ein guter Name voraus. „Wir wollten auf keinen Fall in eine Großstadt, sondern haben uns bewusst für Jülich entschieden.“. Die Zukunft war für die Familie damals ungewiss. Heute, nach 25 Jahren, blickt die Familie – mittlerweile mit drei Generationen – auf viele Erlebnisse zurück und optimistisch in die Zukunft, in ihre eigene und auch die der Stadt. Nadine, heute selber junge Mutter von Jana (5 Jahre) und Rayan (5 Monate), musste die Integration im Schnelltempo vollziehen, besuchte sie doch sofort eine Jülicher Grundschule. Kirchliche und kommunale Hilfsangebote vom Nachhilfeunterricht bis zur Flüchtlingsberatungsstelle gab es ebenso wie Freundschaften mit Jülicher Familien, die bis heute bestehen. Brüderchen Wissam im Kindergarten lernte spielerisch und die Eltern mit und mit. „Damals gab es fünf libanesische Familien in Jülich, heute sind es 35 Familien“, freut sich Adnan, der in Jülich und Umgebung als Angestellter in Spielhallen als Aufsicht arbeitete. Doch auch Familie Nehme wuchs weiter: Christine und Hussein sind 1991 und 1995 in Jülich geboren und aufgewachsen, haben wie ihre Geschwister Jülicher Kindertageseinrichtungen und Schulen bis zum Abitur besucht, in ihrer Freizeit Fußball gespielt, Instrumente gelernt, getanzt und gespielt. Zuhause wird jedoch ausschließlich arabisch gesprochen – „das ist doch unsere Muttersprache, unsere gemeinsame Wurzel“, so Christine Nehme, die als junge Muslimin von der Einrichtung einer speziellen Frauenschwimmstunde im städtischen Hallenbad begeistert ist, während die fünfjährige Jana stolz von ersten Unterrichtsstunden in der städtischen Musikschule und ihrem Traum vom Klavierspielen erzählt. „Hier kann man gut leben und wohnen“, sind sich alle Generationen Nehme einig. Nadine ist nach ihrem Studium in Paris wieder nach Jülich zurückgekehrt – mit Ehemann Ali, der ebenfalls aus dem Libanon geflohen und als promovierter Chemiker von Jülich aus in nahen deutschen Großstädten und benachbarten Ausland tätig ist. Familie und Gemeinschaft zu leben ist für alle Libanesen selbstverständlich – in Jülich haben sie dazu reichlich Gelegenheiten, die sie nutzen. Sie organisieren Straßenfeste und Familienfeiern, engagieren sich in politischen Organisationen und Vereinen, gründen selber Familien und gestalten eine Stadt mit, die ihre neue Heimat geworden ist. „Für junge Familien macht das Leben hier Spaß, für Jugendliche könnte jedoch weitaus mehr getan werden“, so Hussein und Christine, die es oft zu Freizeitaktivitäten in die benachbarten Großstädte zieht. Zuwenig Geschäfte mit speziell auf Jugendliche ausgerichteten Sortimenten, kein Multiplexkino – die Probleme der Stadt werden quer durch alle Nationaltäten und Bevölkerungsschichten ähnlich empfunden. Und doch: wenn die Familie 15 Jahre vorausschaut und sich selber im Jahr 2030 betrachtet, sieht sie:

Rayan, der als defensiver Mittelfeldspieler und Mannschaftskapitän der Jugendmannschaft der Jülicher „Zwölfer“ die Meisterschaft in der Bezirksliga feiert. Jana begeistert in der Schlosskapelle der Zitadelle mit ihren Klavierkonzerten. Im selben Gebäude unterrichtet Christine als Lehrerin und liest im Deutschunterricht aus dem „Kleinen Prinzen“ vor. Wissam und seine aus Monschau nach Jülich gezogene libanesische Ehefrau Sara sind mittlerweile Eltern von vier Kindern. Er arbeitet im neuen Gewerbegebiet auf der Merscher Höhe. Hussein ist als Polizist auf den Straßen Jülichs im Einsatz; Chemiker Ali hat im Jülicher Forschungszentrum eine Substanz zur Eliminierung der umstrittenen „Poldergülledüfte“ während der Zuckerrübenernte im Jülicher Heckfeld erfunden und Nadine ist im Rathaus als Sprachwissenschaftlerin mit ihren Arabischkenntnissen für die vielen nach Jülich strömenden Wissenschaftler und Touristen unentbehrlich geworden, Mutter Leila hat endlich einen Falafel-Laden und Papa Adnan? Er sitzt stolz im Garten und genießt das Wohlergehen seiner Familie, die Jahrzehnte nach der Flucht immer noch zusammen in der Stadt an der Rur lebt, die ihm durch eigene Initiative und Engagement bestmögliche Integration ermöglichte und somit eine Zukunftsperspektive gegeben hat, die auch über das Jahr 2030 hinausgeht…